Am nächsten Abend steht Luce in der Küche, wo sie das Essen für sie und ihre Freunde vorbereitet. Mit dem lodernden Kamin im Wohnzimmer ist es bei ihr am gemütlichsten, weshalb sie auch Weihnachten hier feiern würden. Die anderen sind jedoch noch nicht da. Die würden im Laufe der nächsten Stunde kommen.
Luce hofft, dass sie bis dahin mit der Gans fertig wird, die sie gerade stopft. Der Rotkohl köchelt bereits langsam im Topf vor sich hin und die Semmelknödel sind vorbereitet. Nach dem Vogel wäre also alles fertig, aber der ist widerspenstiger, als Luce gedacht hatte. Immer wieder fällt die Füllung heraus, obwohl noch nicht mal alles drin ist.
Fluchend stopft Luce gerade eine Hand voll Äpfel erneut in die Gans, als es an der Tür klopft.
„Komm rein. Ich bin in der Küche.“, ruft sie daraufhin durchs Haus.
Die Haustür ist nicht abgeschlossen. Ist sie bei Luce nie. Durch den Schutzzauber, der noch immer um das Grundstück liegt, kann sowieso niemand außer ihren Freunden hereinkommen.
„Hey Schatz.“, begrüßt Jacob sie einen Moment später, bevor er ihr einen sanften Kuss auf die Wange gibt. „Das riecht schon sehr gut hier. Kann ich dir noch etwas helfen?“
„Du könntest schon den Tisch decken. Mit dem nervigen Vogel hier bin ich gleich fertig.“, antwortet Luce lächelnd.
Wenig später ist der Tisch gedeckt und die Gans endlich im Ofen. Daher machen es sich die beiden auf der Couch gemütlich, wo sie auf Amara und Sam warten. Die lassen jedoch nicht mehr lange auf sich warten. Luce und Jacob haben sich gerade entspannt, als ihre Freunde zur Tür hereinkommen. Amara hat sich das Klopfen nicht wieder angewöhnt, seit sie zu Sam gezogen ist. Da ist Luce ganz froh drüber. Ihre beste Freundin sollte dieses Haus noch als ihr Zuhause ansehen, denn auch hier ist sie immer willkommen.
„Ich freue mich, dass ihr da seid.“, sagt Luce freudig, während sie Amara fest umarmt.
Anschließend begrüßt sie Sam ebenfalls herzlich, bevor sie gemeinsam wieder ins Wohnzimmer gehen. Sofort geht Amara zum Kamin und hält ihre Hände vor das heiße Feuer.
„Hat Sam dich auf dem Weg etwa nicht gewärmt?“, fragt Jacob daraufhin neckend.
„Er hat es versucht, aber es ist wirklich eiskalt draußen. Da hat seine warme Umarmung leider keinen großen Unterschied gemacht.“, erwidert sie grinsend.
„Soll ich uns eine Kanne Kakao machen? Der wärmt dich dann auch noch von innen.“, bietet Luce ihr an.
Sie hat selber gerade ziemlich Lust auf Kakao bekommen und der passte perfekt zu der gemütlichen Stimmung.
„Oh ja gerne!“, stimmt Amara mit leuchtenden Augen zu.
Daraufhin geht Luce in die Küche, um den Kakao zu machen. Ein paar Minuten später kommt sie mit einem Tablett zurück. Darauf stehen eine Kanne, vier Tassen und ein Teller mit Keksen.
„Das Essen braucht noch etwas, daher habe ich ein paar Kekse mitgebracht.“, teilt sie ihren Freunden mit.
„Das war eine gute Idee.“, erwidert Sam kauend. Er hat sich bereits einen Keks geschnappt, der in seinem Mund verschwunden ist.
Luce grinst ihren Freund an. Auch Jacobs und Amaras Mundwinkel sind deutlich nach oben gezogen. Als alle mit Kakao versorgt sind, kuschelt Luce sich wieder neben Jacob auf das Sofa. Sie liegt bequem in seinen Armen, während sie mit ihren Freunden redet und lacht.
Nach ungefähr einer Stunde klingelt die Eieruhr. Sofort springt Sam auf und geht in die Küche. Die Kekse haben seinen Hunger offensichtlich nicht gestillt. Seit er richtig im Training ist, isst er sogar noch mehr als Luce, die immer schon Unmengen verschlingt. Bevor Sam jedoch in der Küche Chaos anrichtet, folgt Luce ihm eilig. Gemeinsam legen die beiden Freunde die fertige Gans auf ein feines Serviertablett, was Sam feierlich ins Wohnzimmer an den Esstisch trägt. Luce packt noch den Rotkohl sowie die Semmelknödel in Schalen, womit sie ihm schließlich folgt.
„Ich weiß, dass keiner von uns so richtig gläubig ist und vor dem Essen beten möchte.“, ergreift Luce das Wort, als sie alle am Tisch sitzen. „Trotzdem wollte ich die Gelegenheit nutzen, um einmal Danke zu sagen. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ihr trotz des Chaos der vergangenen Monate und trotz meiner Fehler zu mir steht. Die letzte Zeit war nicht einfach. Ich habe einiges komplett falsch gemacht und hätte vieles besser machen können, dennoch habt ihr mich stets unterstützt. Also Danke! Danke, dass ihr nicht nur meine Freunde seid, sondern meine Familie.“
Lächelnd guckt Luce in die gerührten Gesichter ihrer Freunde. Jacob beugt sich fast sofort zu ihr, um sie zu küssen, während Amara sich eine kleine Träne von der Wange wischt. Selbst Sam schluckt einmal hart und damit vermutlich seine Rührung herunter, bevor ein zögerliches Lächeln auf seinen Lippen erscheint.
Luce wartet noch kurz ab, ob einer ihrer Freunde etwas antwortet, aber keiner scheint die richtigen Zeilen zu finden. Durch ihre Gefühlsregungen kennt sie die Antwort sowieso, auch wenn sie sich nicht in Worte fassen lässt.
„Dann lasst es euch schmecken.“, sagt sie daher lächelnd.
Sie verteilt das Essen und alle langen ordentlich zu. Währenddessen genießen sie bei entspannten Gesprächen die gemeinsame Zeit. Die ernste Stimmung ist schnell wieder verflogen und auch ihre düsteren Gedanken werden durch das Lachen vertrieben. Es dauert nicht lange, da denkt keiner von ihnen mehr an die Vergangenheit. Sie denken nur noch an das, was vor ihnen liegt…