Am Dienstag steht nichts von der Weihnachtsliste auf dem Plan, dennoch treffen die Freunde sich nach der Schule bei Sam, um zu trainieren. Der Trainingsraum bei ihm im Keller bietet genug Platz dafür. Nur Bogenschießen können sie dort nicht machen. Stattdessen gehen sie die grundlegenden Nahkampftechniken mit und ohne Waffen durch. Die Vier sind mittlerweile so eingespielt beim Training, dass sie sich kaum noch absprechen müssen, was genau gemacht wird. Es haben sich Routinen eingespielt, die sie immer wieder abrufen.
Zwei Stunden später fällt Luce zusammen mit Amara erschöpft auf die Couch im Wohnzimmer. Auch Sam und Jacob gesellen sich wenig später zu ihnen, nachdem sie Kekse sowie Kakao aus der Küche geholt haben.
„Ich bin fix und fertig.“, stöhnt Amara.
Sie blickt nur auf den Teller mit Keksen, hebt kurz eine Hand, lässt sie dann aber schnell wieder fallen, weil selbst die winzige Bewegung zu anstrengend ist.
„Kommst du nicht dran?“, neckt Sam sie mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht.
Seine Freundin guckt ihn daraufhin nur gequält und flehentlich an. Dem Blick kann Sam nicht widerstehen. Er beugt sich nach vorne, nimmt den Teller und hält ihn Amara hin. Darauf hat Luce gewartet. Sie nutzt die Gelegenheit, um sich den Teller zu schnappen. Nun hält sie ihn fest in der Hand, während sie und Amara sich ohne große Bewegungen grinsend davon bedienen.
„Danke, sehr freundlich.“, sagt sie noch mit einem frechen Blick zu Sam hin.
„Ey! Wir wollen auch welche!“, schaltet sich nun Jacob in die Streiterei mit ein.
Sam versucht bereits, Luce den Teller zu entreißen, aber er bleibt erfolglos. Daher gibt er es schnell auf. Einen Moment lang guckt er die beiden Frauen, die lachend auf dem Sofa sitzen, noch mit hochgezogenen Augenbrauen an, bevor er aufsteht. Erneut verschwindet er in die Küche, von wo er wenig später zurückkehrt. Diesmal hat er keinen Teller mit Keksen dabei, sondern gleich die ganze Dose mitgebracht. Nun gucken die Freundinnen empört, weil Sam nur noch Jacob Kekse anbietet. Fürs Erste geben sie sich jedoch geschlagen und begnügen sich mit dem noch vollen Teller.
„Hast du eigentlich mal wieder was aus Paris gehört, Luce?“, wechselt Jacob etwas später das Thema.
„Ja, ich schreibe immer mal wieder mit Tia. Auch bei ihnen kehrt so langsam Weihnachtsstimmung ein.“, antwortet Luce.
„Was machen die denn im Moment dafür? Gibt es bei ihnen irgendwelche Traditionen?“, fragt er neugierig weiter.
Luce ist ein wenig verwirrt von seinem plötzlichen Interesse, aber das kommt gewiss daher, dass Jacob noch nie Weihnachten gefeiert hat. In seiner Heimat gab es das nicht und erst durch die drei anderen hat er erfahren, was dieses Fest ist.
„Ich weiß nur, dass sie jedes Jahr im Rudel wichteln. Tia hat mir erzählt, dass sie den Namen von einem Typen gezogen hat, den sie kaum kennt und nicht wirklich mag. Deshalb hat sie jetzt keine Ahnung, was sie ihm schenken soll. Generell flucht sie gerade viel auf das Wichteln, was ich gut verstehen kann. Wenn wir das früher manchmal in der Schule gemacht haben, habe ich das auch immer gehasst.“, erzählt Luce lächelnd.
Sie findet, dass man beim Wichteln sowieso nur komische Sachen bekommen hat und eigentlich auch nie was wirklich Schönes verschenkt hat. Es sei denn man kannte die Person, die man gezogen hat besser und war mit ihr befreundet, aber das ist bei Luce nie vorgekommen. Sie war sowieso immer nur mit Amara befreundet.
„Also haben sie an Weihnachten noch nichts vor?“, schaltet sich Amara ins Gespräch mit ein.
„Ich weiß es nicht, aber ich kann Tia mal fragen.“, antwortet Luce.
„Was haltet ihr dann davon, wenn wir sie einladen mit uns zu feiern? Es wäre schön, sie mal wieder zu sehen, und das ist doch eine gute Gelegenheit.“, schlägt Amara nun vor.
„Das ist eine wunderbare Idee. Je mehr wir sind, umso schöner wird es bestimmt.“, stimmt Sam direkt freudig zu.
Auch Luce und Jacob sind von dem Vorschlag begeistert, daher verspricht Luce, Tia noch heute Abend zu schreiben. Dabei hofft sie bereits, dass viele ihrer Pariser Freunde der Einladung folgen werden…